Online-Vermittler versus realer Immobilienmakler

Viele Startups versuchen Maklerleistungen zu digitalisieren. Sie versprechen Eigentümern, deren Immobilie kostengünstiger zu vermitteln als traditionelle Makler. Einige dieser digitalen Anbieter arbeiten mit lokalen Maklern zusammen, die in ihrem Auftrag bei der Vermarktung helfen. Bei anderen Firmen muss der Verkäufer mehr Energie einsetzen, Fotos der Immobilie anfertigen und den Exposétext verfassen.

Der Vorteil eines Immobilienmaklers gegenüber einer Plattform ist, dass er vor Ort tätig ist, den lokalen Immobilienmarkt, die Akteure, die Preise und die Nachfragesituation besser kennt als etwa ein Unternehmen, das seine Informationen aus Datenpools zieht und bundesweit agiert. Zudem haben Verkäufer und Erwerber in der Person des Maklers einen neutralen Ansprechpartner. Er begleitet den gesamten Prozess, von der Erstbegehung für die Wertermittlung bis zum Notarvertrag. Bei Plattformen werden viele Tätigkeiten arbeitsteilig an Assistenten abgegeben.

Ein versierter Immobiliendienstleister kann seine Marketingmaßnahmen an das jeweilige Haus oder die Wohnung anpassen. Er muss kein vorgegebenes Standardrepertoire abarbeiten. So kann es beispielsweise sinnvoll sein, eine Immobilie mit einer hohen Nachfrage im Bieterverfahren an den Meistbietenden zu verkaufen. Ein anderes Mal hat der Vermittler vielleicht einen so großen Interessentenpool, dass er das Objekt mit wenigen Besichtigungsterminen an einen Kunden bringt.

Ein leibhaftiger Makler, der die Wohnung vor dem Verkauf begeht, wird auch Ungereimtheiten erkennen und diesen nachgehen. Ein häufiger Fall sind ausgebaute Dächer oder Anbauten, für die Baugenehmigungen fehlen. Dies sieht der Immobilienprofi, wenn er Unterlagen einsieht. Er wird versuchen, diese Räume nachträglich bewilligen zu lassen.

Im Übrigen leben die meisten Immobilienmakler nicht hinter dem Mond und nutzen ebenfalls modernste Technik, etwa bei der Widerrufbelehrung oder beim automatisierten Exposé-Versand. Diese Hilfsmittel vereinfachen ihre Arbeit, so dass mehr Zeit bleibt, sich persönlich um die Kunden zu kümmern. Denn Immobilienverkäufer und Erwerber haben eine Vielzahl an Fragen: Schließlich verkaufen sie zumeist nur einmal im Leben eine Immobilie, zudem geht es dabei um viel Geld. Da wollen sie nichts falsch machen.